„Warum soll immer ich mich verändern?“
Und warum Veränderung trotzdem innen beginnt – und dann wirkt
Viele können es nicht mehr hören.
Warum soll immer ich mich verändern?
Warum soll immer ich etwas tun?
Ganz ehrlich: Ich verstehe das gut.
Natürlich hätten sie es gerne, dass ihr Partner oder ihre Partnerin sich endlich anders verhält.
Genau mit diesem Wunsch kommen viele Paare zu mir.
Und ja – es wäre viel einfacher. Für sie.
Nehmen wir einen Klassiker.
Sie wünschen sich mehr Wertschätzung.
Klar. Logo.
Das ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis.
Und genau hier wird es spannend.
Denn dieses Thema hat mindestens drei Ebenen.
Die erste Ebene ist die Realität.
Wie gehe ich damit um, dass ich die Wertschätzung gerade nicht bekomme, die ich mir wünsche?
Das heißt nicht, es schönzureden. Sondern ehrlich hinzuschauen:
Was macht das mit mir?
Und welche Konsequenzen hat das für mich, wenn sich daran nichts ändert?
Die zweite Ebene ist unbequemer.
Und genau deshalb wird sie oft übersprungen.
Wie wertschätzend bin ich selbst? Mit ihm – mit ihr.
Bin ich im Kontakt, im Ton, im Alltag so, wie ich mir wünsche, dass mein Gegenüber mir begegnet?
Nicht als Schuldfrage.
Sondern als ehrliche Selbstprüfung.
Bin ich selbst die Person, die ich sein will?
(das setzt natürlch voraus, dass sie eigentlich eine freundliche und am Wohl des Anderen interessierte Person sein wollen – und nicht ein/e fiese/r Möppel)
Und dann gibt es noch die dritte Ebene.
Die, die niemand gerne hört.
Wie schätze ich mich selbst wert?
Finden sie selbst gut, was sie machen?
Sehen sie ihre Schritte, ihre Bemühungen, ihr Dranbleiben?
Loben sie sich? Bestätigen sie sich?
Der amerikanischer Paar- und Sexualtherapeut David Schnarch sprach in diesem Zusammenhang von Selbstbestätigung und Fremdbestätigung.
Wenn wir innerlich nicht wirklich mit uns eins sind, sehnen wir uns stark nach Bestätigung von außen.
Wir hängen regelrecht am Bestätigungstropf.
Und weil wir diese Bestätigung so dringend brauchen, tun wir oft Dinge, die gar nicht unserem Wesen entsprechen.
Wir passen uns an.
Wir verbiegen uns.
Wir halten aus.
In der Hoffnung, endlich gesehen zu werden.
Wie wohltuend ist es, zu lernen, sich selbst bestätigen zu können.
Und nein – das hat nichts mit Egomanie zu tun.
In meinen Räumen, üben wir genau das.
Zu ehren, was gelungen ist.
Zu sehen, was ein Erfolg war.
Sich selbst anzuerkennen – nicht erst, wenn es jemand anderes tut.
Mir ist dabei etwas besonders wichtig:
Dass Menschen an den Punkt kommen, an dem sie selbst sehen können:
Bin ich die Person, die ich in Beziehung sein möchte?
Kann ich mir vorstellen, in meiner besten Version zu handeln?
Nicht perfekt. Aber ehrlich.
Verbunden mit sich. Und Aufrichtig.
Dafür braucht es ein inneres Bild.
Eine Vision von sich selbst.
Nicht, um sich unter Druck zu setzen –
sondern um Orientierung zu haben.
Und genau hier verschiebt sich etwas Entscheidendes.
Ich bin nicht mehr nur im Modus: Der/die andere soll sich verändern.
Ich bin bei mir.
Bei meiner Wachstumschance in dieser Beziehung.
Das bedeutet nicht, alles zu akzeptieren.
Und auch nicht, alles alleine zu tragen.
Sondern Verantwortung für den eigenen Anteil zu übernehmen.
Für mich.
Und damit letztlich auch für die Beziehung.
Zum Schluss eine Einladung an sie:
Was genau würden sie an ihrem Verhalten in ihrer Beziehung gerne verändern?
Nicht theoretisch.
Ganz konkret.
Und wie könnten sie in die Umsetzung kommen?
Stimmig.
Nicht gegen sie.
Für die Beziehung.
Und vor allem: für sich selbst.
