Silvester und deine Wahrheit

Was ein Jahreswechsel möglich macht

Ich glaube, seitdem ich etwa 20 bin, finde ich Silvester eher anstrengend.
Vielleicht auch schon vorher.
Damals habe ich es nur noch nicht so deutlich gespürt.

Wie jedes Jahr stellt sich diese eine Frage:
Wie will ich es dieses Jahr haben?

Mein Mann stellt sie sich natürlich auch.
Und dann müssen wir „nur noch“ zusammenkommen.
Also – wenn wir uns entscheiden, überhaupt zusammen zu feiern.
Muss ja auch nicht sein.

Ich frage mich dann gern:
Welche Silvester waren wirklich schön in meinem Leben?

Eines davon war still.
Ich habe mich bei einer Freundin einquartiert – sie war mit ihrer Familie verreist.
Das Fenster zeigte Berlin pur: Fernsehturm, S-Bahn, Großstadtleben.
Ich war allein mit mir.

Um Mitternacht habe ich zu jedem Glockenschlag eine Weintraube gegessen.
Süß. Saftig.
Ein kleines Ritual nur für mich.

Ein anderes Silvester war alles andere als still.
2002.
Auf einem Retreat machte mein Mann mir einen Heiratsantrag.
Um 24:00 waren wir alle in Meditation –
und ich hatte eigentlich Lust auf Feiern, Sekt und Tanzen.
Ja. Gab es auch.
Es wurde dann wild.

Als die Kinder klein waren, gab es viele Varianten:
mal Party,
mal früh mit den Kindern ins Bett.
(Herrlich!)

Einmal haben wir zu Hause eingeladen.
Die Zwillinge waren drei Jahre alt.
Die Bude voll.
Die Kinder endlich am Schlafen.
Und ich?
In Wahrheit ziemlich überfordert.

Um Mitternacht großes Halligalli.
Alle anstoßen, umarmen:
„Ein schönes Neues!“

Als ich eine Freundin umarmte, sagte ich statt
Schönes Neues
aus versehen: Tschüss.

Wahrheit gesprochen.
Ich wollte meine Ruhe.
Sie war sauer.

Dann Millennium.
Silvester 2000.
Huiiii.

Mein damaliger Freund und ich auf einem großen Fest.
Wir schauen das Feuerwerk vom Dach aus.
Wild. Laut. Bunt.

Wir stoßen an.
„Ich wünsche dir ein schönes 2000.“
Wir küssen uns.

Und ich spüre: nichts.
Gar nichts.
Als wäre ich im falschen Film.

Ich wusste sofort, was zu tun ist.
Aber doch nicht jetzt.
Nicht an Silvester.

Ich ging in dieser Nacht allein nach Hause
und trennte mich am nächsten Tag.
Schön ist anders.
Ich weiß.


Vielleicht liest du diese Zeilen als Einladung.

Was ist deine Wahrheit?
Wie willst du feiern?
Mit wem – oder auch nicht?
Was feierst du überhaupt?

Du musst nicht irgendwie sein.
Nicht gut drauf.
Keine Ziele formulieren.
Keine große Vision ins neue Jahr tragen.

Du musst gar nichts.

Wie wäre es, wenn du dir stattdessen eine innere Orientierung mitnimmst in den Abend:

Fühle ich mich?

Denn wenn du dich wirklich fühlst,
weißt du, was du brauchst.
Und du wirst dir schneller folgen.

Vielleicht liegst du um 23:00 im Bett.
Vielleicht tanzt du und hast die besten Küsse ever.

Ich wünsche dir vor allem,
dass du wohl und gut mit dir selbst sein kannst.
Das ist die beste Voraussetzung,
dass du es auch mit anderen bist.

Und dann:
Neugier auf 2026.

Hihi.
Da steckt auch Gier drin.
Darfst du gierig sein?

Aber das ist ein anderes Thema.

Ich bin dieses Jahr in einer alten Mühle.
Mein Herz ist schon gehüpft bei der Buchung
und den schönen Bildern – schöne Design, Natur.

Stille. Gutes Essen. Mehr weiß ich noch nicht.

Von Herzen
Prost Neujahr
Michaela Rackelmann